Trachealkanüle absaugen

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Trachealkanüle absaugen: Das Absaugen von Atemwegssekret über eine Trachealkanüle (TK) gehört zu den zentralen Maßnahmen in der Versorgung tracheotomierter Menschen. Ziel ist es, die Atemwege freizuhalten, die Atmung zu erleichtern und Komplikationen zu vermeiden. Besonders Patienten mit eingeschränktem Hustenstoß, neurologischen Erkrankungen oder Beatmungspflicht sind auf ein professionelles Sekretmanagement angewiesen. Das Absaugen erfolgt nicht routinemäßig nach Uhrzeit, sondern ausschließlich nach Bedarf. Dadurch werden Schleimhautreizungen und unnötige Belastungen vermieden.

Sie haben Fragen? Unser Team von Pflegedienst Lebenswerk begleitet Sie von Beantragungen bis zur kompletten Betreuung. Wir sind spezialisiert auf jegliche Pflegestufen und vor allem die Versorgung intensivpflichtiger Patienten. Dabei unterstützen wir beteilgte Personen von A bis Z.

Wann muss Sekret bei einer Trachealkanüle abgesaugt werden?

Grundsätzlich gilt: Es sollte nur abgesaugt werden, wenn tatsächlich ein Bedarf besteht. 

Vitale Indikation zum Absaugen

In bestimmten Situationen ist das Absaugen lebensnotwendig und muss sofort erfolgen. Hinweise auf eine akute Verlegung der Atemwege können sein:

  • pfeifende oder hochfrequente Atemgeräusche
  • erschwerte Einatmung
  • sichtbare Atemanstrengung mit Einziehungen des Brustkorbs
  • bläuliche Verfärbung von Lippen oder Gesicht (Zyanose)
  • Abfall der Sauerstoffsättigung
  • beschleunigte Herzfrequenz
  • Unruhe oder Angstzustände

Bei diesen Anzeichen muss unverzüglich geprüft werden, ob eine Sekretansammlung die Atemwege behindert.

Dringliche Indikation zum Absaugen der Trachealkanüle

Auch ohne akute Lebensgefahr kann eine Absaugung erforderlich sein. Typische Hinweise sind:

  • der Pflegebedürftige äußert den Wunsch nach Absaugen
  • anhaltender Hustenreiz ohne ausreichende Sekretlösung
  • rasselnde, brodelnde oder verschleimte Atemgeräusche
  • sichtbares Sekret in der Trachealkanüle
  • zunehmende Unruhe oder Atembeschwerden

Gerade bei tracheotomierten Menschen ist die subjektive Wahrnehmung häufig ein wichtiger Indikator für die Notwendigkeit einer Absaugung.

Absaugen nach sekretmobilisierenden Maßnahmen

Nach bestimmten therapeutischen oder pflegerischen Maßnahmen kann sich Sekret in den Atemwegen lösen und eine Absaugung erforderlich machen. Dazu gehören:

  • Inhalationen mit Kochsalz- oder Solelösungen
  • Atemtherapie
  • Vibrations- oder Klopfmassagen
  • Lagewechsel und Mobilisation
  • Umpositionierungen im Bett

Durch diese Maßnahmen wird Sekret mobilisiert und kann anschließend leichter abgesaugt werden.

Wichtiger Grundsatz: So oft wie nötig, so selten wie möglich

Die Häufigkeit des Absaugens richtet sich immer nach dem individuellen Zustand des Betroffenen. Manche Menschen benötigen mehrmals täglich eine Absaugung, andere deutlich seltener.

Wichtig ist der Grundsatz:

„So oft wie nötig, aber nicht häufiger als erforderlich.“

Jeder Absaugvorgang stellt einen Eingriff in die Atemwege dar und kann die Schleimhäute reizen. Deshalb sollte die Maßnahme stets anhand der aktuellen Situation und nicht nach festen Zeitplänen durchgeführt werden.

Methoden des Absaugens

Es gibt verschiedene Arten des Absaugens bei Pflegepatienten:

  • Absaugen der oberen Atemwege (Nasenhöhle, Rachen und Mundhöhle)
  • Absaugen der unteren Atemwege (Trachea, Kehlkopf, Bronchialsystem)
  • Nasales Absaugen (über Nase)
  • Orales Absaugen (über Mund)
  • Endotracheales Absaugen (in der Luftröhre – blind über Nase/ Mund oder über Endotrachealtubus / Trachealkanüle)
  • Bronchoskopisches Absaugen (im Rahmen der Bronchoskopie)
  • Bronchiallavage (Einbringung von physiologischer Kochsalzlösung über Tubus, Trachealkanüle oder ein Bronchoskop – um eingetrocknetes Bronchialsekret zu lösen

Wichtig beim Absauggerät: Die Leistung vom Absauggerät wird als Luftumsatz/Umluftleistung (l/Min.) angegeben und ein Leistungsmerkmal stellt dar, wie schnell der Sog aufgebaut wird. Zudem wird für ein effektives Absaugen ein Luftumsatz von größer Gleich 25 l/Min. benötigt.

Absauggeräte in der Pflege: Arten, Funktionsweise und wichtige Auswahlkriterien

Absauggeräte gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln in der professionellen Pflege und Atemwegstherapie. Sie dienen dazu, Sekrete, Speichel, Blut oder Erbrochenes aus den Atemwegen zu entfernen und so die Atmung zu sichern. Je nach Einsatzbereich kommen unterschiedliche Absaugverfahren und Gerätetypen zum Einsatz.

Hinweis: bei beatmeten Intensivpflegepatienten sind gecuffte (geblockte) Kanülen die REGEL und KEIN Sonderfall. 

Arten der Absaugung

Grundsätzlich wird zwischen verschiedenen Absaugtechniken unterschieden. Beim nasalen Absaugen erfolgt die Sekretentfernung über die Nase. Das endotracheale Absaugen wird direkt in der Luftröhre durchgeführt, beispielsweise über einen Endotrachealtubus oder eine Trachealkanüle. Daneben gibt es das bronchoskopische Absaugen, das im Rahmen einer Bronchoskopie erfolgt und besonders für diagnostische oder therapeutische Maßnahmen genutzt wird.

Früher wurde häufig eine Bronchiallavage eingesetzt, bei der Kochsalzlösung in die Atemwege eingebracht wurde, um zähes Sekret zu lösen. Aufgrund des Risikos einer Keimverschleppung wird dieses Verfahren heute jedoch deutlich zurückhaltender angewendet.

Welche Absauggeräte gibt es?

In Krankenhäusern werden Absauggeräte meist über zentrale Vakuumsysteme betrieben. In der ambulanten Pflege sowie in Pflegeeinrichtungen kommen dagegen überwiegend elektrische Absaugpumpen zum Einsatz. Diese sind entweder als stationäre Geräte für den Netzbetrieb oder als mobile Akku-Geräte verfügbar. Mobile Modelle bieten den Vorteil, auch unterwegs oder bei Stromausfällen einsatzfähig zu bleiben.

Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal eines Absauggerätes ist die sogenannte Umluft- bzw. Saugleistung, die in Litern pro Minute angegeben wird. Für eine effektive Sekretentfernung sollte die Leistung mindestens 25 Liter pro Minute betragen. Dabei ist nicht nur die maximale Saugleistung wichtig, sondern vor allem, wie schnell das Gerät den erforderlichen Unterdruck aufbauen kann.

Aufbau und Funktionsweise moderner Absauggeräte

Die meisten Absauggeräte arbeiten nach demselben Prinzip. Eine Vakuumpumpe erzeugt einen Unterdruck, der das Sekret über einen Absaugkatheter in einen Sekretbehälter transportiert. Zu den wichtigsten Komponenten gehören:

  • Ein-/Aus-Schalter
  • Manometer zur Anzeige des Unterdrucks
  • Vakuumregler zur Einstellung der Saugleistung
  • Sekretbehälter
  • Bakterienfilter
  • Absaugschlauch und Absaugkatheter

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Bakterienfilter. Er verhindert, dass Krankheitserreger oder Flüssigkeiten in das Gerät gelangen und anschließend in die Umgebung abgegeben werden. Daher sollte der Filter regelmäßig auf Feuchtigkeit kontrolliert und entsprechend den Herstellerangaben gewechselt werden.

Absaugkatheter: Die richtige Auswahl entscheidet

Für die sichere Sekretentfernung stehen verschiedene Absaugkatheter zur Verfügung. Standardkatheter besitzen eine zentrale Öffnung und wenige seitliche Öffnungen. Sie können sich leichter an der Schleimhaut festsaugen und kleine Verletzungen verursachen.

Moderne atraumatische Absaugkatheter verfügen dagegen über mehrere größere seitliche Öffnungen. Dadurch verteilt sich der Luftstrom besser und ein Festsaugen an der Schleimhaut wird weitgehend verhindert. Dies erhöht sowohl die Sicherheit als auch den Komfort für den Patienten.

Grundsätzlich sollte immer der kleinstmögliche Katheterdurchmesser gewählt werden. Kleinlumige Katheter mit 8 bis 10 Charrière ermöglichen eine ausreichende Sekretentfernung, ohne die Atmung während des Absaugvorgangs unnötig zu beeinträchtigen.

Absaugschlauch – Die Verbindung zwischen Gerät und Katheter

Der Absaugschlauch verbindet das Absauggerät mit dem Absaugkatheter und transportiert die abgesaugten Sekrete in den Sekretbehälter. Er wird direkt am Sekretgefäß des Absauggerätes angeschlossen. In der Praxis kommen überwiegend flexible Kunststoffschläuche zum Einsatz. Diese sind entweder als Rollenware erhältlich und können individuell auf die benötigte Länge zugeschnitten werden oder als vorgefertigte Einmalschläuche in unterschiedlichen Längen verfügbar.

Die Wahl der richtigen Schlauchlänge ist wichtig: Zu lange Schläuche können den Strömungswiderstand erhöhen und die Effizienz der Absaugung beeinträchtigen. Gleichzeitig muss ausreichend Bewegungsfreiheit gewährleistet sein, damit die Pflegefachkraft sicher und ergonomisch arbeiten kann.

Fingertip – Steuerung der Saugleistung während der Absaugung

Der Fingertip ist ein wichtiges Bedienelement zwischen Absaugschlauch und Absaugkatheter. Über diese kleine Öffnung kann die Pflegefachkraft den Sog gezielt aktivieren oder unterbrechen.

Fingertip geschlossen:
Wird die Öffnung mit dem Finger verschlossen, baut sich an der Spitze des Absaugkatheters die volle Saugleistung auf. Das Sekret kann nun effektiv abgesaugt werden.

Fingertip geöffnet:
Ist die Öffnung geöffnet, wird der Luftstrom unterbrochen. An der Katheterspitze entsteht kein wirksamer Sog mehr. Diese Funktion wird genutzt, um einen angesaugten Katheter schonend von Schleimhäuten zu lösen und Verletzungen zu vermeiden.

Intermittierende Anwendung („Schlürftechnik“):
Bei größeren Sekretmengen kann der Fingertip während der Absaugung wiederholt geöffnet und geschlossen werden. Durch das entstehende Luft-Flüssigkeits-Gemisch wird der Sekrettransport erleichtert und der Strömungswiderstand reduziert. Dadurch kann die Absaugung effizienter erfolgen.

Geschlossene Absaugsysteme bei beatmeten Patienten

Bei intensivpflichtigen, intubierten oder tracheotomierten Patienten kommen häufig geschlossene Absaugsysteme zum Einsatz. Dabei bleibt der Absaugkatheter dauerhaft in einer schützenden Hülle zwischen Beatmungssystem und Tubus beziehungsweise Trachealkanüle integriert.

Der große Vorteil besteht darin, dass die Sekretabsaugung durchgeführt werden kann, ohne den Patienten von der Beatmung zu trennen. Dies reduziert Unterbrechungen der Sauerstoffversorgung und bietet zusätzliche hygienische Vorteile durch die sogenannte Non-Touch-Technik. Geschlossene Absaugsysteme werden daher vor allem auf Intensivstationen eingesetzt.

Weitere Materialien für eine sichere und hygienische Absaugung

Für eine fachgerechte Sekretabsaugung werden neben Absauggerät und Katheter weitere Hilfsmittel benötigt:

  • Materialien zur Mund- und Nasenpflege
  • Sterile oder keimarme Einmalhandschuhe
  • Gleitmittel oder sterile Kochsalzlösung zum Anfeuchten des Katheters
  • Abwurfbehälter für verwendete Materialien
  • Wasserbehälter zum Durchspülen des Absaugschlauchs
  • Mund-Nasen-Schutz oder Schutzvisier zum Schutz vor Tröpfchen und Aerosolen
  • Desinfektionsmittel für Hände und Arbeitsflächen

Besonders beim Absaugen über eine offene Trachealkanüle kann es durch Husten zu einer erhöhten Tröpfchenbildung kommen. Daher sind geeignete Schutzmaßnahmen für das Pflegepersonal unverzichtbar. Darüber hinaus sollten alle verwendeten Materialien regelmäßig kontrolliert und gemäß den Hygienerichtlinien ausgetauscht werden.

Bedeutung der richtigen Materialauswahl

Die Qualität und Kombination der verwendeten Materialien beeinflusst die Sicherheit und Effektivität der gesamten Absaugmaßnahme. Ein leistungsfähiges Absauggerät, ein passender Absaugkatheter, ein korrekt eingesetzter Fingertip sowie hygienisch einwandfreie Zusatzmaterialien tragen entscheidend dazu bei, Atemwege frei zu halten, Komplikationen zu vermeiden und den Komfort des Patienten zu verbessern.

Praxistipps für eine sichere Anwendung

Für eine hygienische und effektive Absaugung sollten stets geeignete Schutzhandschuhe, Mund-Nasen-Schutz sowie Materialien zur Mund- und Nasenpflege bereitstehen. Besonders bei Patienten mit Trachealkanüle ist auf einen wirksamen Spritz- und Tröpfchenschutz zu achten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die regelmäßige Kontrolle des Sekretbehälters und aller Verbindungsschläuche. Nur ein technisch einwandfrei funktionierendes Absaugsystem gewährleistet eine sichere Sekretentfernung und trägt entscheidend zur Atemwegssicherung und zum Wohlbefinden des Patienten bei.

Risiken beim Absaugen mit einer Trachealkanüle

Das Absaugen von Atemwegssekret ist eine wichtige Maßnahme zur Sicherung freier Atemwege. Dennoch handelt es sich um einen invasiven Eingriff, der mit verschiedenen Risiken verbunden ist. Durch eine fachgerechte Durchführung, geeignete Materialien und eine sorgfältige Beobachtung des Betroffenen lassen sich die meisten Komplikationen jedoch vermeiden.

Mögliche Komplikationen beim Absaugen und Maßnahmen

KomplikationMögliche UrsacheVorbeugende Maßnahmen
Infektionen der unteren AtemwegeKeimverschleppung durch unsachgemäße HygieneHygienische Händedesinfektion, sterile bzw. keimarme Arbeitsweise, regelmäßiger Wechsel von Filtern und Zubehör
Kontamination von Personal und UmgebungKontakt mit Atemwegssekreten oder AerosolenSchutzhandschuhe, Mund-Nasen-Schutz und gegebenenfalls Schutzvisier verwenden
Schleimhautverletzungen und BlutungenTraumatisches Einführen des Katheters oder zu häufiges AbsaugenAtraumatische Absaugkatheter verwenden, Katheter vorsichtig einführen, nur bei Bedarf absaugen
Starker HustenreizReizung der AtemwegsschleimhautRuhige Durchführung, Pflegebedürftigen informieren und beruhigen
Erbrechen und AspirationsgefahrAusgeprägter Hustenreiz während des AbsaugensAufrechte Position, Beobachtung des Pflegebedürftigen, bei Erbrechen sofort geeignete Schutzmaßnahmen einleiten
BronchospasmusReizung empfindlicher Bronchien, insbesondere bei Asthma oder COPDAbsaugung schonend durchführen, verordnete bronchienerweiternde Medikamente bereithalten
LaryngospasmusReizung des Kehlkopfes bei ungeeigneter AbsaugtechnikKorrekte Technik anwenden und unnötigen Kontakt mit dem Kehlkopf vermeiden
Verrutschen oder Herauslösen der TrachealkanüleHustenattacken oder unzureichende FixierungSitz und Fixierung der Trachealkanüle vor jeder Absaugung kontrollieren

Schleimhautreizungen durch häufiges Absaugen

Jeder Absaugvorgang belastet die Schleimhaut der Atemwege. Zu häufiges oder unnötiges Absaugen kann zu Reizungen, kleinen Blutungen und einer verstärkten Schleimproduktion führen. Deshalb gilt in der Tracheostomapflege der Grundsatz:

So oft wie nötig, aber so selten wie möglich absaugen.

Eine sorgfältige Beobachtung des Pflegebedürftigen hilft dabei, den optimalen Zeitpunkt für die Maßnahme zu erkennen.

Maßnahmen bei Komplikationen

Treten während oder nach dem Absaugen Auffälligkeiten auf, müssen diese umgehend erkannt und behandelt werden.

Bei starkem Hustenreiz

Ein Hustenreiz ist grundsätzlich erwünscht, da dadurch Sekret aus tieferen Atemwegsabschnitten gelöst werden kann. Wird der Husten jedoch sehr stark oder belastend, sollte der Absaugvorgang kurz unterbrochen werden. Der Pflegebedürftige wird beruhigt und zum kontrollierten Atmen angeleitet.

Bei Erbrechen

Kommt es während des Absaugens zu Erbrechen, sollte die betroffene Person sofort in eine Seitenlage gebracht werden, damit Erbrochenes abfließen kann. Ein reflexartiges Öffnen der Trachealkanüle und sofortiges Absaugen sollte vermieden werden, da dadurch Mageninhalt in die unteren Atemwege gelangen kann.

Bei Schleimhautverletzungen oder Blutungen

Kleine Blutspuren können auf eine Reizung der Schleimhaut hinweisen. Wiederholte oder stärkere Blutungen sollten ärztlich abgeklärt werden. Häufig ist eine Anpassung der Absaugtechnik oder die Verwendung atraumatischer Absaugkatheter sinnvoll.

Bei Bronchospasmus

Zeichen eines Bronchospasmus sind Atemnot, pfeifende Atemgeräusche und erschwerte Ausatmung. Die Absaugung sollte beendet und die verordneten Notfallmaßnahmen eingeleitet werden. Bei bekannten Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD sollten bronchienerweiternde Medikamente griffbereit sein.

Bei Verrutschen der Trachealkanüle

Wird ein Verrutschen oder Herausrutschen der Trachealkanüle festgestellt, muss umgehend nach den geltenden Notfallstandards gehandelt werden. Deshalb sollte vor jeder Absaugmaßnahme die sichere Lage und Fixierung der Kanüle überprüft werden.

Kontinuierliche Beobachtung nach dem Absaugen

Nach jeder Absaugung sollten folgende Parameter kontrolliert und dokumentiert werden:

  • Atemgeräusche
  • Atemfrequenz
  • Sauerstoffsättigung
  • Herzfrequenz
  • Farbe und Konsistenz des abgesaugten Sekrets
  • Hustenfähigkeit
  • Allgemeinbefinden des Pflegebedürftigen

Eine sorgfältige Nachbeobachtung hilft dabei, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Wirksamkeit der Maßnahme zu beurteilen.

Durchführung: Absaugen bei einer Trachealkanüle

Das endotracheale Absaugen über eine Trachealkanüle dient dazu, angesammeltes Sekret aus den Atemwegen zu entfernen und die Atmung zu erleichtern. Damit die Maßnahme sicher und effektiv durchgeführt werden kann, sind eine sorgfältige Vorbereitung, die richtige Technik und eine kontinuierliche Beobachtung des Pflegebedürftigen erforderlich.

Material für das Absaugen vorbereiten

Vor jeder Absaugung sollte überprüft werden, ob alle benötigten Materialien vorhanden und funktionsfähig sind. Dazu gehören:

  • Absauggerät
  • Absaugschlauch
  • Fingertip oder Absaugventil
  • geeigneter Absaugkatheter
  • Einmalhandschuhe
  • Händedesinfektionsmittel
  • Behälter mit Wasser zum Spülen des Absaugschlauchs
  • gegebenenfalls Mund-Nasen-Schutz oder Schutzvisier
  • Abwurfbehälter

Vor Schichtbeginn empfiehlt sich eine Funktionskontrolle des Absauggeräts. Dabei wird überprüft, ob das Gerät ausreichend Unterdruck aufbauen kann und alle Verbindungen dicht sind.

Pflegebedürftigen auf das Absaugen vorbereiten

Viele Menschen empfinden das Absaugen als unangenehm oder beängstigend. Eine gute Vorbereitung trägt dazu bei, Stress und Unsicherheit zu reduzieren.

Vor dem Absaugen sollte der Pflegebedürftige:

  • über die Maßnahme informiert werden
  • nach Möglichkeit in eine Oberkörperhochlagerung gebracht werden
  • zum Abhusten aufgefordert werden
  • bei Bedarf vorab inhalieren, um Sekret zu lösen

Wichtig ist die Erklärung, dass während des Absaugens ein Hustenreiz auftreten kann. Dieser ist in den meisten Fällen normal und unterstützt sogar die Sekretmobilisation.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Endotracheales Absaugen 

1. Hygienische Vorbereitung

Zu Beginn erfolgt eine hygienische Händedesinfektion. Anschließend werden die benötigten Materialien vorbereitet und die Handschuhe angelegt.

Der sterile Absaugkatheter wird erst unmittelbar vor der Anwendung aus seiner Verpackung entnommen, um eine Kontamination zu vermeiden.

2. Trachealkanüle freilegen

Vor dem Einführen des Katheters werden gegebenenfalls:

  • Sprechventile,
  • künstliche Nasen (HME-Filter),
  • Verschlusskappen oder
  • Beatmungsschläuche

vorsichtig entfernt.

Gleichzeitig sollte kontrolliert werden, ob die Trachealkanüle sicher sitzt und korrekt fixiert ist.

3. Absaugkatheter einführen

Der Absaugkatheter wird vorsichtig und ohne Kraftaufwand über die Trachealkanüle eingeführt.

Dabei gilt:

  • niemals gegen Widerstand vorschieben
  • keine Gewalt anwenden
  • Katheter langsam und kontrolliert bewegen
  • möglichst atraumatisch arbeiten

Bereits in der Trachealkanüle kann sich Sekret befinden. Deshalb sollte der Katheter langsam vorgeschoben werden, um vorhandenes Sekret nicht tiefer in die Atemwege zu transportieren.

4. Sekret absaugen

Sobald der Katheter die gewünschte Position erreicht hat, beginnt das eigentliche Absaugen.

Während des Zurückziehens wird der Katheter langsam zwischen Daumen und Zeigefinger gedreht. Dadurch können Sekretablagerungen aus verschiedenen Bereichen der Atemwege erfasst werden.

Bei atraumatischen Absaugkathetern bleibt der Fingertip während des gesamten Vorgangs geschlossen. Diese Katheter verhindern durch ihre spezielle Bauweise ein Ansaugen der Schleimhaut und ermöglichen ein besonders schonendes Absaugen.

Wird hörbar Sekret abgesaugt, sollte der Katheter kurz an dieser Stelle verbleiben, bis kein Sekrettransport mehr wahrnehmbar ist.

5. Absaugkatheter entfernen

Nach Abschluss der Sekretentfernung wird der Katheter langsam herausgezogen.

Anschließend sollte beurteilt werden:

  • Sind die Atemgeräusche frei?
  • Hat sich die Atmung verbessert?
  • Wünscht der Pflegebedürftige eine weitere Absaugung?

Ist weiteres Absaugen notwendig, kann unter hygienischen Bedingungen ein weiterer Absaugvorgang erfolgen.

Wichtige Hinweise für ein sicheres Absaugen 

So oft wie nötig, aber nicht häufiger als erforderlich

Ein routinemäßiges Absaugen nach festen Zeitintervallen wird heute nicht mehr empfohlen. Die Maßnahme erfolgt ausschließlich bei Bedarf.

Zu häufiges Absaugen kann:

  • die Schleimhäute reizen,
  • kleine Blutungen verursachen,
  • die Sekretproduktion erhöhen,
  • Infektionsrisiken steigern.

Größe des Absaugkatheters anpassen

Der Absaugkatheter sollte möglichst klein gewählt werden. Ein zu großer Katheter kann die Atemwege unnötig verengen und die Atmung während des Absaugens erschweren.

Kleinlumige Absaugkatheter ermöglichen häufig sogar eine weitere Spontanatmung während des Absaugvorgangs.

Absaugtiefe individuell festlegen

Die optimale Absaugtiefe richtet sich nach der individuellen Situation.

Ein standardisiertes Vorgehen gibt es nicht. Entscheidend sind:

  • Hustenreflex des Pflegebedürftigen
  • Lage des Sekrets
  • Art der Trachealkanüle
  • Beatmungssituation
  • klinischer Zustand

Deshalb sollte für jeden Pflegebedürftigen eine individuelle Absaugstrategie festgelegt und dokumentiert werden.

Sekretbeschaffenheit beachten

Für ein effektives Absaugen sollte das Sekret weder zu trocken noch zu flüssig sein.

Unterstützend können eingesetzt werden:

  • Inhalationen mit Kochsalzlösung
  • ausreichende Befeuchtung der Atemwege
  • sekretlösende Maßnahmen
  • Atemtherapie
  • Mobilisation

Beobachtungen während und nach dem Absaugen

Die Beobachtung endet nicht mit dem Entfernen des Katheters. Nach jeder Absaugmaßnahme sollte geprüft werden, ob das gewünschte Ergebnis erreicht wurde.

Folgende Punkte sind besonders wichtig:

Atmung bei der Trachealkanüle

  • Atemfrequenz
  • Atemtiefe
  • Atemgeräusche
  • Atemanstrengung

Sauerstoffversorgung

  • Sauerstoffsättigung
  • Hautfarbe
  • Zeichen einer Zyanose

Kreislauf Zustand

  • Herzfrequenz
  • Blutdruck
  • Allgemeinzustand

Sekretbeurteilung

Dokumentiert werden sollten:

  • Menge
  • Farbe
  • Geruch
  • Konsistenz

Beispielsweise kann Sekret sein:

  • klar und dünnflüssig
  • weißlich und zäh
  • gelblich oder grünlich
  • blutig tingiert

Veränderungen können Hinweise auf Infektionen, Entzündungen oder andere Erkrankungen liefern.

Dokumentation der Absaugmaßnahme

Jede Absaugung sollte nachvollziehbar dokumentiert werden. Dazu gehören:

  • Zeitpunkt der Maßnahme
  • Anlass für das Absaugen
  • Menge und Beschaffenheit des Sekrets
  • Verträglichkeit der Maßnahme
  • Besonderheiten oder Komplikationen
  • gegebenenfalls durchgeführte Folgemaßnahmen

Eine sorgfältige Dokumentation unterstützt die Verlaufskontrolle und trägt zur Patientensicherheit bei.

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Häufige Fragen – Trachealkanüle absaugen

Warum wird bei Patienten mit Trachealkanüle endotracheal abgesaugt?

Das endotracheale Absaugen über eine Trachealkanüle dient nicht der routinemäßigen Sekretentfernung, sondern der Sicherung einer ausreichenden Ventilation und eines freien Atemwegs. Menschen mit Trachealkanüle verfügen häufig nur eingeschränkt über natürliche Schutzmechanismen der Atemwege. Durch den veränderten Luftstrom, einen verminderten Hustenstoß, neurologische Einschränkungen oder Beatmung kann Sekret nicht mehr ausreichend mobilisiert und abgehustet werden.

Ziel des Absaugens ist deshalb nicht, die Atemwege vollständig „sauber“ zu halten, sondern eine klinisch relevante Sekretansammlung zu beseitigen. Hinweise können rasselnde Atemgeräusche, sichtbares Sekret, erhöhter Atemaufwand, sinkende Sauerstoffsättigung oder subjektive Atemnot sein.

Pflegefachlich wichtig ist die Unterscheidung zwischen notwendigem und routinemäßigem Absaugen. Zu häufiges Absaugen kann Schleimhäute reizen, die Sekretproduktion fördern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Deshalb gilt: Absaugen erfolgt indikationsbezogen – nicht nach Uhrzeit.

Wer darf bei einer Trachealkanüle endotracheal absaugen?

Das endotracheale Absaugen zählt zu den invasiven pflegerischen Maßnahmen und setzt eine nachweisbare fachliche Qualifikation voraus. Neben theoretischem Wissen über Anatomie, Trachealkanülenmanagement, Hygienestandards und Komplikationen ist insbesondere praktische Handlungskompetenz erforderlich.

Im stationären Bereich übernehmen diese Maßnahme in der Regel Pflegefachpersonen mit entsprechender Einweisung. In der außerklinischen Intensivversorgung können – abhängig von nationalen Vorgaben und lokalen Standards – auch eingewiesene Assistenzpersonen oder Angehörige eingebunden werden.

Entscheidend ist dabei nicht die Berufsbezeichnung allein, sondern die Fähigkeit, Situationen korrekt einzuschätzen: Wann besteht tatsächlich Absaugebedarf? Wie tief wird abgesaugt? Wie werden Komplikationen erkannt?

Pflegefachlich betrachtet umfasst Absaugen deutlich mehr als das Einführen eines Katheters – es beinhaltet Beobachtung, Entscheidungsfindung, Durchführung und Nachsorge.

Kann man sich selbst endotracheal absaugen?

Ja, Selbstabsaugen ist grundsätzlich möglich und in der außerklinischen Versorgung keine Seltenheit. Viele Menschen mit dauerhaftem Tracheostoma entwickeln mit der Zeit ein sehr gutes Körpergefühl und erkennen frühzeitig, wann Sekret die Atmung beeinträchtigt.

Voraussetzungen sind ausreichende Beweglichkeit, Sehvermögen, Belastbarkeit und ein sicherer Umgang mit Material und Hygienemaßnahmen. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Warnzeichen wie zunehmende Atemnot, Blutungen oder erschöpfenden Husten richtig einzuordnen.

Selbstabsaugen bedeutet jedoch nicht vollständige Unabhängigkeit. Es erfordert eine strukturierte Schulung und regelmäßig überprüfte Handlungssicherheit.

Aus pflegefachlicher Sicht stellt erfolgreiches Selbstmanagement einen wichtigen Beitrag zur Autonomie dar – gleichzeitig darf die Eigenständigkeit niemals zulasten der Sicherheit gehen.

Welche Risiken gibt es beim endotrachealen Absaugen?

Das endotracheale Absaugen ist eine wirksame, gleichzeitig aber belastende Maßnahme für die Atemwege. Zu den häufigsten Risiken zählen Schleimhautreizungen, kleine Blutungen, starker Hustenreiz und eine erhöhte Sekretproduktion bei zu häufiger Durchführung.

Darüber hinaus können durch mechanische Reizung Bronchospasmen oder – seltener – reflektorische Reaktionen mit Kreislaufveränderungen auftreten. Unsachgemäße Technik oder hygienische Mängel erhöhen zusätzlich das Risiko von Atemwegsinfektionen.

Ein häufig unterschätztes Risiko ist das „Überabsaugen“: Wird regelmäßig ohne Indikation abgesaugt, entsteht ein Kreislauf aus Schleimhautreizung und vermehrter Sekretbildung.

Deshalb sollte die Frage nicht lauten: „Wie oft wird abgesaugt?“ – sondern: „Ist Absaugen in diesem Moment wirklich erforderlich?“

Welche Hygienemaßnahmen gelten beim endotrachealen Absaugen?

Beim endotrachealen Absaugen hat Hygiene eine doppelte Funktion: Sie schützt sowohl den Pflegebedürftigen vor Infektionen als auch das Personal vor Kontakt mit Atemwegssekreten.

Vor und nach jeder Maßnahme erfolgt eine hygienische Händedesinfektion. Material wird sauber vorbereitet und Absaugkatheter so gehandhabt, dass eine unnötige Kontamination vermieden wird.

Absaugschläuche, Sekretbehälter und Filter unterliegen festen Wechselintervallen und müssen regelmäßig kontrolliert werden. Bei offenem Absaugen können zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz oder Gesichtsschutz sinnvoll sein.

Wichtig ist dabei ein praxisnahes Verständnis von Hygiene: Ziel ist nicht sterile Perfektion, sondern eine sichere, reproduzierbare Arbeitsweise mit möglichst geringem Infektionsrisiko.

Was ist der Unterschied zwischen subglottischem und endotrachealem Absaugen?

Subglottisches und endotracheales Absaugen verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich – sie ersetzen sich jedoch nicht gegenseitig.

Beim endotrachealen Absaugen wird Sekret aus der Trachea und den unteren Atemwegen entfernt. Ziel ist die Wiederherstellung freier Atemwege und die Unterstützung der Ventilation.

Das subglottische Absaugen erfolgt oberhalb des Cuffs eines Tubus oder einer speziellen Trachealkanüle. Dort sammelt sich Speichel, Sekret oder mikrobiell belastetes Material, das in die unteren Atemwege gelangen könnte.

Pflegefachlich dient das subglottische Absaugen daher primär der Aspirations- und Pneumonieprophylaxe – nicht der eigentlichen Sekretentfernung aus der Lunge.

Während endotracheales Absaugen symptomorientiert eingesetzt wird, ist subglottisches Absaugen häufig Teil eines präventiven Gesamtkonzepts im Atemwegsmanagement.

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