Sekretmanagement zuhause

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Sekretmanagement & Sekretmobilisation zuhause: Was tun bei starker Verschleimung und Hustenproblemen?

Starke Verschleimung, zäher Schleim und ein schwacher Husten können für Menschen mit neurologischen Erkrankungen, neuromuskulären Erkrankungen, einer Trachealkanüle oder Beatmung zu einem ernsthaften Problem werden. Besonders dann, wenn Betroffene das gebildete Sekret nicht mehr selbstständig aus den Atemwegen entfernen können.

Was bei einem gesunden Menschen meist unbewusst funktioniert, kann bei schwer erkrankten oder pflegebedürftigen Menschen erheblich beeinträchtigt sein: Sekret muss mobilisiert, in Richtung der größeren Atemwege transportiert und anschließend abgehustet oder gegebenenfalls abgesaugt werden.

Genau hier setzt ein professionelles Sekretmanagement zuhause an.

Dabei bedeutet Sekretmanagement wesentlich mehr als das Absaugen einer Trachealkanüle. Je nach Erkrankung und individuellen Fähigkeiten können unter anderem Atemwegsbefeuchtung, Lagerung, Mobilisation, Atemphysiotherapie, assistierte Hustentechniken, mechanische Hustenhilfen und das Absaugen Bestandteile eines individuellen Versorgungskonzeptes sein.

Insbesondere bei Menschen mit ALS, anderen neuromuskulären Erkrankungen, Querschnittlähmung, schweren neurologischen Erkrankungen, Schluckstörungen, Tracheostoma oder außerklinischer Beatmung kann ein strukturiertes Sekretmanagement einen wichtigen Bestandteil der häuslichen Versorgung darstellen.

Für Patienten und Angehörige stellen sich deshalb häufig Fragen wie:

  • Warum bildet sich plötzlich so viel Schleim?
  • Warum kann der Patient das Sekret nicht mehr abhusten?
  • Wann muss abgesaugt werden?
  • Was kann man gegen sehr zähen Schleim tun?
  • Was ist ein Hustenassistent?
  • Welche Rolle spielt eine Trachealkanüle?
  • Wann wird starke Verschleimung gefährlich?
  • Wann sollte ärztliche Hilfe gerufen werden?
  • Und wann kann eine professionelle außerklinische Intensivpflege notwendig werden?

In diesem Ratgeber erklären wir vom Pflegedienst Lebenswerk, wie Sekretmanagement zuhause grundsätzlich funktioniert, welche Verfahren eingesetzt werden können und worauf Patienten und Angehörige besonders achten sollten.

Wichtig: Die konkrete Behandlung und insbesondere invasive Maßnahmen müssen individuell ärztlich bzw. therapeutisch festgelegt und von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Diagnose, individuelle Einweisung oder Notfallversorgung.

Was heißt Sekretmanagement?

Unter Sekretmanagement versteht man verschiedene Maßnahmen, mit denen Atemwegssekret mobilisiert und aus den Atemwegen entfernt beziehungsweise dessen Abtransport unterstützt wird.

Die Atemwege produzieren natürlicherweise Sekret. Dieses erfüllt wichtige Funktionen: Es befeuchtet die Schleimhäute und hilft dabei, eingeatmete Partikel, Staub und Krankheitserreger zu binden.

Normalerweise transportiert die sogenannte mukoziliäre Clearance das Sekret mithilfe kleinster Flimmerhärchen in Richtung Rachen. Dort kann es geschluckt oder bei Bedarf abgehustet werden.

Zusätzlich stellt der Hustenreflex einen wichtigen Schutzmechanismus dar.

Problematisch wird es, wenn einer oder mehrere dieser Mechanismen beeinträchtigt sind.

Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn:

  • die Atemmuskulatur zu schwach ist,
  • nicht mehr ausreichend tief eingeatmet werden kann,
  • kein kräftiger Hustenstoß erzeugt werden kann,
  • das Sekret ungewöhnlich zäh ist,
  • sehr große Sekretmengen entstehen,
  • eine Schluckstörung besteht,
  • Speichel oder Nahrung aspiriert werden,
  • eine Trachealkanüle die natürlichen Atemwege umgeht,
  • eine Beatmung erforderlich ist,
  • der Patient körperlich stark immobil ist oder
  • ein Atemwegsinfekt die Sekretmenge zusätzlich erhöht.

Das Ziel eines guten Sekretmanagements besteht deshalb nicht einfach darin, „Schleim abzusaugen“.

Vielmehr muss geklärt werden:

Wo befindet sich das Sekret, warum kann es nicht ausreichend abtransportiert werden und welche Maßnahme hilft diesem konkreten Patienten dabei am effektivsten?

Warum ist Sekret in den Atemwegen überhaupt notwendig?

Schleim in den Atemwegen ist zunächst nichts Krankhaftes.

Die Schleimhaut des Respirationstraktes bildet kontinuierlich Sekret. Dieses hält die Oberfläche feucht und ist Bestandteil des körpereigenen Reinigungssystems.

Gemeinsam mit den Flimmerhärchen entsteht ein natürlicher Transportmechanismus. Fremdstoffe und Mikroorganismen können gebunden und aus den tieferen Atemwegen in Richtung Rachen transportiert werden.

Das Problem ist daher nicht grundsätzlich die Produktion von Sekret, sondern häufig das Missverhältnis zwischen:

Sekretproduktion + Sekretkonsistenz + Sekrettransport + Hustenkraft.

Ein Mensch kann beispielsweise relativ viel Sekret produzieren und dennoch kaum Beschwerden haben, solange er kräftig husten und das Sekret zuverlässig entfernen kann.

Umgekehrt können bereits kleinere Sekretmengen problematisch werden, wenn die Atem- und Hustenmuskulatur stark geschwächt ist.

Das ist ein wichtiger Unterschied für das Verständnis des Sekretmanagements.

Wie funktioniert effektives Husten?

Um zu verstehen, warum Patienten trotz Hustenreiz ihr Sekret teilweise nicht loswerden, lohnt sich ein Blick auf den normalen Hustenmechanismus.

Ein effektiver Hustenstoß besteht vereinfacht aus mehreren aufeinander abgestimmten Schritten.

1. Tiefe Einatmung

Zunächst wird ausreichend Luft eingeatmet.

Dadurch steht ein entsprechendes Lungenvolumen für den späteren Hustenstoß zur Verfügung.

2. Druckaufbau

Anschließend wird die Stimmritze kurzzeitig geschlossen. Gleichzeitig wird durch die Atemmuskulatur Druck im Brustkorb aufgebaut.

3. Explosiver Ausatemstrom

Die Stimmritze öffnet sich und die Luft wird mit hoher Geschwindigkeit ausgestoßen.

Dieser schnelle Luftstrom kann Sekret aus den Atemwegen mitreißen und in Richtung Mund transportieren.

Bei neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen kann dieser Ablauf an verschiedenen Stellen beeinträchtigt sein.

Kann ein Patient beispielsweise nicht mehr ausreichend tief einatmen, fehlt bereits das notwendige Luftvolumen.

Ist die Ausatemmuskulatur zu schwach, entsteht kein ausreichend kräftiger Hustenstoß.

Auch Koordinationsstörungen oder andere neurologische Beeinträchtigungen können die Effektivität des Hustens reduzieren.

Das Ergebnis:

Der Patient hustet möglicherweise häufig – trotzdem bleibt Sekret in den Atemwegen zurück.

Husteninsuffizienz: Wenn die Kraft zum Abhusten fehlt

Eine sogenannte Husteninsuffizienz bedeutet, dass ein Patient nicht mehr in der Lage ist, einen ausreichend wirksamen Hustenstoß zu erzeugen.

Das kann insbesondere bei fortschreitenden neuromuskulären Erkrankungen auftreten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Muskeldystrophien
  • Spinale Muskelatrophie (SMA)
  • andere neuromuskuläre Erkrankungen
  • hohe Querschnittlähmung

Auch schwere neurologische Erkrankungen können den Hustenmechanismus beeinträchtigen.

Entscheidend ist dabei:

Husten ist nicht automatisch effektiver Husten.

Ein Patient kann ständig husten und trotzdem nicht genügend Sekret entfernen.

Hinweise auf eine eingeschränkte Hustenkraft können beispielsweise sein:

  • ungewöhnlich schwacher oder leiser Hustenstoß
  • wiederholtes Husten ohne erfolgreiche Sekretlösung
  • hörbares Sekret in den Atemwegen
  • zunehmende Verschleimung
  • schnelle Erschöpfung beim Husten
  • Atemnot während oder nach Hustenepisoden
  • Schwierigkeiten insbesondere während Atemwegsinfekten
  • wiederkehrende respiratorische Infektionen

Bei gefährdeten Patienten kann die Hustenkapazität professionell beurteilt werden. Bei geeigneten, kooperationsfähigen Patienten kann beispielsweise der Peak Cough Flow (PCF) – also der maximale Luftstrom während eines Hustenstoßes – als objektiver Parameter eingesetzt werden.

Warum entsteht starke Verschleimung?

Starke Verschleimung kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Für ein erfolgreiches Sekretmanagement ist es deshalb wichtig, nicht ausschließlich das sichtbare Symptom „Schleim“ zu behandeln.

Atemwegsinfektionen

Bei Infektionen der Atemwege kann die Sekretproduktion deutlich zunehmen. Gleichzeitig kann sich die Konsistenz verändern.

Für Patienten mit bereits eingeschränkter Hustenkraft kann deshalb ein eigentlich unkomplizierter Atemwegsinfekt erheblich problematischer werden.

Zu trockene Atemwege

Eine unzureichende Befeuchtung kann dazu führen, dass Sekret zunehmend zäh wird und schwieriger zu mobilisieren ist.

Besondere Bedeutung hat die Atemwegsbefeuchtung bei Patienten mit Tracheostoma.

Bei der normalen Nasenatmung wird die eingeatmete Luft unter anderem erwärmt, gefiltert und befeuchtet.

Bei einem Tracheostoma wird dieser natürliche Weg zumindest teilweise umgangen. Die Konditionierung der Atemluft muss deshalb im individuellen Versorgungskonzept berücksichtigt werden.

Zu geringe Flüssigkeitszufuhr

Auch der Flüssigkeitshaushalt kann Einfluss auf die Beschaffenheit von Sekreten haben. Eine eingeschränkte Flüssigkeitsaufnahme kann beispielsweise bei Patienten mit Schluckstörungen zusätzlich relevant sein.

Die angemessene Flüssigkeitszufuhr muss jedoch immer zur individuellen medizinischen Situation passen – beispielsweise bei bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen.

Bewegungsmangel und Immobilität

Körperliche Aktivität, Positionswechsel und tiefe Atemzüge unterstützen normalerweise die Belüftung unterschiedlicher Lungenbereiche.

Bei dauerhaft immobilen oder bettlägerigen Patienten können diese Mechanismen eingeschränkt sein.

Schwache Atemmuskulatur

Bei neuromuskulären Erkrankungen besteht das zentrale Problem häufig nicht in einer außergewöhnlich hohen Sekretproduktion.

Der Patient kann das normale oder infektbedingt erhöhte Sekret schlicht nicht mehr ausreichend entfernen.

Schluckstörungen und Aspiration

Eine Dysphagie kann ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Gelangen Speichel, Getränke, Nahrung oder Mageninhalt in die Atemwege, spricht man von einer Aspiration.

Das kann Husten auslösen und das Risiko respiratorischer Komplikationen erhöhen.

Besonders problematisch ist eine sogenannte stille Aspiration, bei der Material in die Atemwege gelangt, ohne dass ein ausgeprägter Hustenreiz entsteht.

Trachealkanüle und Beatmung

Patienten mit Trachealkanüle benötigen häufig ein besonders sorgfältiges Sekretmanagement.

Der natürliche Atemweg ist verändert und das Sekret kann unter Umständen nicht auf dem normalen Weg entfernt werden.

Bei beatmeten Patienten kommen weitere Faktoren hinzu. Das Sekretmanagement muss deshalb auf Beatmung, Kanülentyp, Atemwegsbefeuchtung, vorhandene Eigenatmung und individuelle Hustenkapazität abgestimmt werden.

Welche Erkrankungen führen häufig zu Problemen mit Sekret und Husten?

Ein professionelles Sekretmanagement kann bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen erforderlich werden.

Sekretmanagement bei ALS

Bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) können im Verlauf sowohl die inspiratorische als auch die exspiratorische Atemmuskulatur geschwächt werden.

Dadurch kann zunächst das tiefe Einatmen und später auch das kraftvolle Ausatmen beziehungsweise Husten beeinträchtigt sein.

Zusätzlich können bulbäre Symptome und Schluckstörungen auftreten.

Das Sekretmanagement kann deshalb im Verlauf einer ALS einen zunehmend wichtigen Stellenwert erhalten.

Dabei geht es häufig nicht nur um Bronchialsekret. Auch ein erschwerter Umgang mit Speichel kann für Betroffene belastend sein.

Sekretmanagement nach Schlaganfall

Nach einem schweren Schlaganfall können unter anderem Bewusstseinsstörungen, eingeschränkte Mobilität, Dysphagie und eine gestörte Hustenkoordination auftreten.

Insbesondere eine Schluckstörung kann das Aspirationsrisiko erhöhen.

Bei schwer betroffenen Patienten mit Trachealkanüle oder Beatmung kann deshalb ein strukturiertes Atemwegs- und Sekretmanagement notwendig werden.

Sekretmanagement bei Querschnittlähmung

Bei einer hohen Querschnittlähmung können Teile der für die Atmung und insbesondere für einen kräftigen Hustenstoß erforderlichen Muskulatur beeinträchtigt sein.

Der Patient produziert deshalb nicht zwingend mehr Sekret – ihm fehlt möglicherweise schlicht die Muskelkraft, um es zuverlässig abzuhusten.

Sekretmanagement bei neuromuskulären Erkrankungen

Neben ALS können zahlreiche weitere neuromuskuläre Erkrankungen die Atemmuskulatur beeinträchtigen.

Mit zunehmender Muskelschwäche können Atemvolumen und Hustenkraft abnehmen.

Gerade bei Infekten kann sich die Situation dann innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich verschlechtern.

Sekretmanagement bei Trachealkanüle

Bei tracheotomierten Patienten ist das Sekretmanagement ein zentraler Bestandteil der Versorgung.

Je nach Patient können beispielsweise folgende Aspekte relevant sein:

  • Atemwegsbefeuchtung
  • Sekretbeobachtung
  • Mobilisation des Sekrets
  • Absaugen bei entsprechender Indikation
  • Trachealkanülenmanagement
  • Cuff-Management
  • Beobachtung der Atmung
  • Erkennen von Kanülenverlegungen
  • Aspirationsmanagement
  • Notfallmanagement

Das konkrete Vorgehen hängt dabei stark von Kanülentyp, Grunderkrankung, Beatmungssituation und den individuellen Fähigkeiten des Patienten ab.

Zäher Schleim lässt sich nicht abhusten – was tun?

Wenn Schleim sehr zäh ist und nicht abgehustet werden kann, sollte zunächst geklärt werden, warum das Sekret nicht ausreichend entfernt werden kann.

Es gibt grundsätzlich zwei unterschiedliche Probleme:

Problem 1: Das Sekret lässt sich schlecht mobilisieren.

Es befindet sich beispielsweise in tieferen Atemwegen oder ist so zäh, dass der natürliche Sekrettransport beeinträchtigt ist.

Problem 2: Das Sekret wurde mobilisiert, kann aber nicht effektiv abgehustet werden.

Hier kann eine eingeschränkte Hustenkraft das zentrale Problem sein.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Denn Sekret lediglich zu lösen, ohne anschließend für einen effektiven Abtransport sorgen zu können, kann bei Patienten mit ausgeprägter Husteninsuffizienz problematisch sein.

Ein professionelles Sekretmanagement berücksichtigt deshalb die gesamte Kette:

Sekret beurteilen → Atemwege ausreichend befeuchten → Sekret mobilisieren → Husten unterstützen → Sekret entfernen → Wirkung kontrollieren.

Welche Maßnahmen dafür geeignet sind, muss individuell festgelegt werden.

Maßnahmen beim Sekretmanagement zuhause

Abhängig von Erkrankung, Sekretmenge, Sekretkonsistenz, Hustenkraft und Beatmungssituation können unterschiedliche Verfahren miteinander kombiniert werden.

Dazu gehören unter anderem:

Atemwegsbefeuchtung

Eine angemessene Befeuchtung der Atemwege kann insbesondere bei tracheotomierten und beatmeten Patienten eine wichtige Rolle spielen.

Dabei kommen je nach Versorgungssituation unterschiedliche Verfahren infrage.

Mobilisation und Positionswechsel

Soweit medizinisch möglich, können Mobilisation und regelmäßige Positionsveränderungen die Belüftung unterschiedlicher Lungenbereiche unterstützen.

Atemphysiotherapie

Spezialisierte physiotherapeutische Techniken können dazu dienen, die Atmung zu unterstützen und Sekret zu mobilisieren.

Welche Verfahren sinnvoll sind, hängt stark von Erkrankung und Restfunktion der Atemmuskulatur ab.

Assistiertes Husten

Kann ein Patient selbst noch einen Hustenstoß initiieren, fehlt jedoch die notwendige Kraft, können bestimmte manuell assistierte Hustentechniken eingesetzt werden.

Diese müssen fachgerecht erlernt und auf den Patienten abgestimmt werden.

Air Stacking

Bei ausgewählten Patienten kann sogenanntes Air Stacking eingesetzt werden.

Dabei wird das inspiratorische Lungenvolumen durch mehrere aufeinanderfolgende Luftgaben beziehungsweise Atemzüge erhöht, bevor anschließend ein Hustenstoß erfolgt.

Ziel ist es, ein größeres Ausgangsvolumen für einen effektiveren Hustenstoß bereitzustellen.

Ob dieses Verfahren geeignet ist, muss individuell beurteilt werden.

Mechanische Hustenassistenz – Cough Assist

Bei deutlich eingeschränkter Hustenkraft kann eine mechanische Insufflation-Exsufflation (MI-E) eingesetzt werden.

Umgangssprachlich wird häufig vom Cough Assist beziehungsweise Hustenassistenten gesprochen.

Das Gerät unterstützt vereinfacht gesagt zunächst die Einatmung durch positiven Druck und erzeugt anschließend einen schnellen Wechsel zu negativem Druck.

Dadurch soll ein stärkerer exspiratorischer Luftstrom entstehen, der einen natürlichen Hustenstoß nachahmt beziehungsweise unterstützt.

Gerade bei neuromuskulären Erkrankungen kann die mechanische Hustenassistenz ein wichtiger Bestandteil des Sekretmanagements sein.

Einstellung, Anwendung und Beurteilung der Wirksamkeit müssen jedoch individuell erfolgen und erfordern entsprechende Einweisung und fachliche Begleitung.

Absaugen

Wenn Sekret nicht ausreichend selbstständig entfernt werden kann und entsprechend erreichbar ist, kann eine Absaugung notwendig werden.

Besonders bei Patienten mit Trachealkanüle gehört die Beurteilung eines möglichen Absaugbedarfs zum pflegerischen Atemwegsmanagement.

Dabei gilt jedoch:

Absaugen sollte nicht einfach nach einem starren Zeitplan erfolgen, sondern entsprechend der individuellen Situation und Indikation.

Mögliche Hinweise auf einen Absaugbedarf können beispielsweise hör- oder sichtbares Sekret, eine Beeinträchtigung der Atmung, ineffektiver Husten oder andere patientenspezifische Veränderungen sein.

Die fachgerechte Durchführung ist entscheidend, da das tracheale Absaugen selbst mit Risiken verbunden sein kann.

Sekret absaugen: Wann ist Absaugen notwendig?

Kann ein Patient Sekret trotz eigener oder unterstützter Hustentechniken nicht ausreichend aus den Atemwegen entfernen, kann das Absaugen von Atemwegssekret erforderlich sein.

Besonders relevant ist dies bei Patienten mit einer Trachealkanüle, eingeschränkter Hustenkraft, Bewusstseinsstörungen oder schweren neurologischen beziehungsweise neuromuskulären Erkrankungen.

Dabei ist wichtig zu verstehen:

Nicht jeder Patient mit einer Trachealkanüle muss automatisch regelmäßig abgesaugt werden.

Entscheidend ist der tatsächliche Bedarf. Das Absaugen sollte sich grundsätzlich an der individuellen Situation und einer entsprechenden Indikation orientieren und nicht lediglich deshalb durchgeführt werden, weil beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Stunden vergangen ist.

Hinweise auf einen möglichen Absaugbedarf können – abhängig von der individuellen Situation – beispielsweise sein:

  • hörbares Sekret beziehungsweise Rasselgeräusche
  • sichtbares Sekret in der Trachealkanüle
  • Sekret, das trotz Husten nicht entfernt werden kann
  • ineffektiver Husten
  • zunehmende Atemarbeit
  • Unruhe oder erkennbare Atemnot
  • Veränderungen der Beatmung beziehungsweise Beatmungsalarme
  • Veränderungen der Sauerstoffsättigung
  • verminderte Atemgeräusche bei möglicher Sekretverlegung
  • sichtbare Sekretansammlung im Bereich der Kanüle

Ein einzelner Messwert oder ein einzelnes Symptom reicht dabei nicht immer aus. Entscheidend ist die Gesamtbeurteilung des Patienten.

Trachealkanüle absaugen – was passiert dabei?

Beim trachealen Absaugen wird ein geeigneter Absaugkatheter über die Trachealkanüle in die Atemwege eingebracht, um dort erreichbares Sekret mithilfe eines Absaugsystems zu entfernen.

Für Patienten und Angehörige wirkt dieser Vorgang zunächst häufig beunruhigend. Fachgerecht durchgeführt kann das Absaugen jedoch ein notwendiger Bestandteil des Atemwegsmanagements sein.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass tracheales Absaugen keine harmlose Routinehandlung ist.

Mögliche Komplikationen können unter anderem sein:

  • Schleimhautreizungen
  • Verletzungen der Trachealschleimhaut
  • Blutungen
  • Hustenreiz
  • Sauerstoffentsättigung
  • Veränderungen der Herzfrequenz
  • Kreislaufreaktionen
  • Infektionsrisiken

Auch deshalb gilt:

So viel wie notwendig – aber nicht häufiger oder invasiver als erforderlich.

Absaugtechnik, Kathetergröße, Absaugdruck, Dauer und weitere Maßnahmen müssen zur individuellen Versorgungssituation passen und entsprechend professioneller Standards durchgeführt werden.

Für Angehörige bedeutet das: Das Absaugen sollte nicht allein anhand einer Internetanleitung erlernt werden. Ist eine Durchführung durch Angehörige vorgesehen, sind eine fachgerechte Einweisung, praktische Schulung und ein patientenbezogener Handlungs- und Notfallplan besonders wichtig.

Offenes und geschlossenes Absaugsystem – was ist der Unterschied?

Grundsätzlich können je nach Versorgungssituation unterschiedliche Absaugsysteme eingesetzt werden.

Offenes Absaugen

Beim offenen Absaugsystem wird ein steriler beziehungsweise entsprechend den geltenden Vorgaben verwendeter Absaugkatheter für den Absaugvorgang eingesetzt.

Bei beatmeten Patienten kann hierfür – abhängig vom System – eine Unterbrechung des Beatmungssystems erforderlich sein.

Geschlossenes Absaugsystem

Bei einem geschlossenen Absaugsystem befindet sich der Katheter innerhalb eines geschlossenen Systems und kann zur Absaugung vorgeschoben werden, ohne dass der Beatmungskreislauf in gleicher Weise geöffnet werden muss.

Das kann insbesondere bei bestimmten beatmeten Patienten Vorteile bieten.

Welches System im häuslichen Umfeld eingesetzt wird, hängt unter anderem von Beatmungsform, Trachealkanüle, Sekretsituation, hygienischen Anforderungen und dem individuellen Versorgungskonzept ab.

Sekret beobachten: Farbe, Menge und Konsistenz können wichtige Hinweise geben

Professionelles Sekretmanagement bedeutet nicht nur, Sekret zu entfernen.

Ebenso wichtig ist die Beobachtung des Sekrets und des Patienten.

Pflegefachkräfte achten beispielsweise auf:

  • Sekretmenge
  • Farbe
  • Konsistenz
  • Geruch
  • Veränderungen gegenüber dem Normalzustand
  • Häufigkeit des notwendigen Absaugens
  • Hustenkraft
  • Atemarbeit
  • Allgemeinzustand
  • weitere mögliche Infektzeichen

Diese Beobachtungen können Hinweise darauf geben, ob sich der Zustand eines Patienten verändert.

Was bedeutet klares oder weißliches Sekret?

Klares bis weißliches Sekret kann bei vielen Patienten vorkommen und ist für sich genommen nicht automatisch ein Zeichen einer bakteriellen Infektion.

Entscheidend ist immer die Gesamtsituation.

Auch klares Sekret kann problematisch werden, wenn:

  • außergewöhnlich große Mengen entstehen,
  • es sehr zäh ist,
  • der Patient es nicht abhusten kann oder
  • die Atemwege dadurch beeinträchtigt werden.

Bei einem Patienten mit ausgeprägter Husteninsuffizienz kann daher selbst optisch unauffälliges Sekret relevant sein.

Gelbes oder grünes Sekret – bedeutet das immer eine bakterielle Infektion?

Gelbliches oder grünliches Sekret wird häufig unmittelbar mit einer bakteriellen Infektion gleichgesetzt.

So einfach ist die Beurteilung jedoch nicht.

Die Farbe des Sekrets allein erlaubt keine sichere Aussage darüber, ob eine bakterielle Infektion vorliegt oder ein Antibiotikum notwendig ist.

Relevant sind zusätzliche Symptome und Veränderungen, beispielsweise:

  • Fieber
  • zunehmende Atemnot
  • deutlich zunehmende Sekretmenge
  • veränderte Sekretkonsistenz
  • auffälliger Geruch
  • Verschlechterung des Allgemeinzustandes
  • erhöhte Atemfrequenz
  • Veränderungen der Sauerstoffsättigung
  • veränderte Beatmungssituation

Bei entsprechenden Veränderungen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Blutiges Sekret: Wann sollte man reagieren?

Kleine Blutspuren können beispielsweise nach einer Schleimhautreizung auftreten – unter anderem im Zusammenhang mit Absaugvorgängen.

Blut im Atemwegssekret sollte dennoch ernst genommen werden, insbesondere wenn:

  • es erstmals auftritt,
  • wiederholt vorkommt,
  • die Blutmenge zunimmt,
  • hellrotes Blut auftritt,
  • gleichzeitig Atemnot besteht,
  • der Patient gerinnungshemmende Medikamente erhält oder
  • sich der Allgemeinzustand verändert.

Bei stärkeren Blutungen oder gleichzeitig auftretender akuter Atemnot ist eine sofortige medizinische Beurteilungerforderlich.

Zähes Sekret bei Trachealkanüle – warum kommt das häufig vor?

Menschen mit einer Trachealkanüle haben besondere Anforderungen an das Atemwegsmanagement.

Normalerweise strömt die Atemluft durch Nase und obere Atemwege. Dort wird sie unter anderem:

  • erwärmt,
  • befeuchtet 
  • und gefiltert.

Bei einer Atmung über ein Tracheostoma werden diese physiologischen Funktionen der oberen Atemwege teilweise oder vollständig umgangen.

Dadurch kann die Atemluft trockener in die tieferen Atemwege gelangen.

Eine unzureichende Atemgaskonditionierung kann die Sekretbeschaffenheit ungünstig beeinflussen. Sekret kann zäher werden und sich schlechter entfernen lassen.

Deshalb besitzt die Atemwegsbefeuchtung bei Tracheostoma und Beatmung eine besonders wichtige Bedeutung.

Atemwegsbefeuchtung bei Trachealkanüle

Je nach Versorgungssituation kommen unterschiedliche Verfahren zur Atemwegsbefeuchtung infrage.

Grundsätzlich wird zwischen passiver und aktiver Befeuchtung unterschieden.

Passive Befeuchtung mit HME

Ein Heat and Moisture Exchanger (HME) wird häufig auch als „künstliche Nase“ bezeichnet.

Das Prinzip:

Feuchtigkeit und Wärme aus der Ausatemluft werden im HME teilweise gespeichert und bei der nächsten Einatmung wieder an die Atemluft abgegeben.

Damit übernimmt das System einen Teil der Funktionen, die normalerweise Nase und obere Atemwege erfüllen.

HMEs unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Eigenschaften wie Widerstand, Totraum und Befeuchtungsleistung. Die Auswahl muss deshalb zur jeweiligen Versorgungssituation passen.

Aktive Atemgasbefeuchtung

Bei bestimmten Patienten reicht eine passive Befeuchtung nicht aus oder ist aus anderen Gründen nicht die geeignete Lösung.

Dann kann eine aktive Atemgasbefeuchtung eingesetzt werden.

Dabei wird die Atemluft mithilfe eines Befeuchtungssystems aktiv erwärmt und mit Feuchtigkeit angereichert.

Welche Form der Befeuchtung geeignet ist, hängt unter anderem ab von:

  • Beatmungssituation
  • Trachealkanüle
  • Sekretmenge
  • Sekretkonsistenz
  • individuellen Atemwegen
  • vorhandenen Leckagen
  • verwendetem Beatmungssystem
  • klinischer Situation des Patienten

Die Befeuchtung sollte deshalb Bestandteil eines individuellen Atemwegs- und Beatmungskonzeptes sein.

Inhalation bei Verschleimung – ist Kochsalz sinnvoll?

Inhalationen können Bestandteil eines ärztlich beziehungsweise therapeutisch festgelegten Sekretmanagements sein.

Dabei muss jedoch zwischen verschiedenen Lösungen und Medikamenten unterschieden werden.

Eine häufig verwendete Lösung ist isotonische Kochsalzlösung mit 0,9 % Natriumchlorid.

Je nach individueller Situation können auch andere Inhalationslösungen oder inhalative Medikamente ärztlich verordnet werden.

Wichtig:

Nicht jede Form der Verschleimung sollte eigenständig mit beliebigen Inhalationslösungen behandelt werden.

Insbesondere bei Patienten mit:

  • schwerer Lungenerkrankung,
  • ausgeprägter Husteninsuffizienz,
  • Trachealkanüle,
  • außerklinischer Beatmung oder
  • komplexen neurologischen beziehungsweise neuromuskulären Erkrankungen

sollte die Inhalation Teil eines abgestimmten Therapiekonzeptes sein.

Denn es reicht nicht zwangsläufig aus, Sekret lediglich zu verflüssigen oder zu mobilisieren.

Der Patient muss das mobilisierte Sekret anschließend auch entfernen können.

Warum „Schleim lösen“ bei Husteninsuffizienz nicht ausreicht

Dieser Punkt ist für Angehörige besonders wichtig.

Stellen wir uns einen Patienten mit ALS und ausgeprägter Schwäche der Atemmuskulatur vor.

Das Sekret ist zäh und befindet sich teilweise in den Atemwegen.

Eine Maßnahme sorgt nun dafür, dass dieses Sekret mobilisiert wird.

Das klingt zunächst positiv.

Aber:

Was passiert anschließend mit dem mobilisierten Sekret?

Ein gesunder Mensch hustet es ab.

Ein Patient mit schwerer Husteninsuffizienz kann dazu möglicherweise nicht mehr in der Lage sein.

Deshalb muss beim Sekretmanagement immer die gesamte Prozesskette berücksichtigt werden:

1. Sekret mobilisieren

2. Sekret in Richtung zentraler Atemwege transportieren

3. effektiven Husten ermöglichen oder unterstützen

4. Sekret entfernen

5. Atmung und Behandlungserfolg kontrollieren

Bei einem Patienten mit eingeschränkter Hustenkraft können deshalb zusätzliche Verfahren wie manuell assistiertes Husten oder mechanische Hustenassistenz notwendig werden.

Hustenassistent / Cough Assist: Hilfe bei schwachem Husten

Ein sogenannter Hustenassistent kann bei bestimmten Patienten eingesetzt werden, deren eigene Hustenkraft nicht mehr ausreicht.

Das Verfahren wird medizinisch als:

Mechanical Insufflation-Exsufflation (MI-E)

bezeichnet.

Besonders bekannt ist die Anwendung bei neuromuskulären Erkrankungen.

Das Grundprinzip besteht darin, den natürlichen Hustenmechanismus technisch zu unterstützen.

Wie funktioniert ein Cough Assist?

Für einen kräftigen Husten benötigt der Körper zunächst ein ausreichendes Lungenvolumen.

Genau hier setzt die mechanische Hustenassistenz an.

Vereinfacht läuft ein Zyklus folgendermaßen ab:

Phase 1: Insufflation

Das Gerät unterstützt die Einatmung durch positiven Atemwegsdruck.

Dadurch wird Luft in die Lunge eingebracht.

Phase 2: schneller Druckwechsel

Anschließend erfolgt ein rascher Wechsel.

Phase 3: Exsufflation

Durch einen negativen Atemwegsdruck wird ein schneller Ausatemstrom erzeugt.

Dieser Luftstrom soll dabei helfen, Sekret in Richtung der zentralen Atemwege beziehungsweise nach außen zu transportieren.

Der Vorgang simuliert somit einen Teil der Druck- und Strömungsverhältnisse eines kräftigen natürlichen Hustenstoßes.

Bei welchen Patienten kann ein Hustenassistent eingesetzt werden?

Mechanische Hustenassistenz kann insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Hustenkraft eine Rolle spielen.

Dazu können beispielsweise Menschen mit bestimmten:

  • neuromuskulären Erkrankungen
  • Muskeldystrophien
  • spinaler Muskelatrophie
  • Amyotropher Lateralsklerose
  • Querschnittlähmungen

gehören.

Ob ein Cough Assist im individuellen Fall sinnvoll und geeignet ist, muss medizinisch beurteilt werden.

Nicht jeder Patient profitiert von denselben Einstellungen oder derselben Anwendungstechnik.

Cough Assist bei ALS Erkrankung

Bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose kann die Hustenkraft im Krankheitsverlauf zunehmend abnehmen.

Die Ursache liegt unter anderem in der fortschreitenden Schwäche der Atemmuskulatur.

Für Betroffene kann das besonders bei Atemwegsinfekten problematisch werden.

Ein gesunder Mensch kann bei einer Erkältung oder Bronchitis eine größere Sekretmenge normalerweise durch verstärktes Husten kompensieren.

Bei ALS kann genau diese Kompensationsmöglichkeit fehlen.

Die Folge kann eine zunehmende Ansammlung von Sekret sein.

Je nach individueller Situation kann deshalb eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen erforderlich sein, beispielsweise:

Atemwegsbefeuchtung → Sekretmobilisation → Hustenassistenz → gegebenenfalls Absaugung.

Cough Assist über Maske oder Trachealkanüle

Je nach Patient und Versorgungssituation kann eine mechanische Hustenassistenz über unterschiedliche Zugangswege erfolgen.

Eine Anwendung kann beispielsweise über:

  • eine geeignete Gesichtsmaske oder
  • bei entsprechenden Voraussetzungen über eine Trachealkanüle

erfolgen.

Die konkrete Anwendung muss zur Atemwegssituation des Patienten passen.

Insbesondere bei tracheotomierten Patienten müssen Kanülentyp, Cuff-Situation, Beatmung und weitere individuelle Faktoren berücksichtigt werden.

Wie oft sollte ein Cough Assist angewendet werden?

Eine pauschale Häufigkeit nach dem Motto „jeder Patient dreimal täglich“ wäre medizinisch nicht sinnvoll.

Die Anwendung richtet sich nach dem individuellen Behandlungsplan.

Relevant können beispielsweise sein:

  • Grunderkrankung
  • Hustenkraft
  • Sekretmenge
  • Infektsituation
  • Atemfunktion
  • Verträglichkeit
  • Beatmung
  • individuelle Reaktion auf die Behandlung

Bei einem Atemwegsinfekt kann sich der Unterstützungsbedarf außerdem verändern.

Einstellungen und Anwendung sollten deshalb durch entsprechend qualifizierte medizinische beziehungsweise therapeutische Fachpersonen festgelegt und regelmäßig überprüft werden.

Sekretmanagement bei Beatmung zuhause

Bei Patienten mit außerklinischer Beatmung besitzt das Sekretmanagement eine besondere Bedeutung.

Das gilt sowohl für invasive Beatmung über eine Trachealkanüle als auch – abhängig von Erkrankung und Situation – für nichtinvasiv beatmete Patienten.

Zum Atemwegsmanagement können beispielsweise gehören:

  • Beobachtung der Atmung
  • Beurteilung der Sekretsituation
  • geeignete Atemwegsbefeuchtung
  • Inhalation nach Verordnung
  • Atemphysiotherapie
  • Mobilisationsmaßnahmen
  • Hustenassistenz
  • Absaugen bei entsprechender Indikation
  • Trachealkanülenmanagement
  • Beatmungsüberwachung
  • Erkennen kritischer Veränderungen

Dabei müssen diese Maßnahmen aufeinander abgestimmt sein.

Verschleimung nachts – warum kann sie besonders problematisch sein?

Sekretprobleme treten nicht ausschließlich tagsüber auf.

Gerade nachts können verschiedene Faktoren zusammentreffen.

Der Patient liegt über längere Zeit, bewegt sich weniger und kann im Schlaf Sekret möglicherweise weniger aktiv abhusten.

Bei bestimmten Erkrankungen kann zusätzlich die Atmung im Schlaf stärker beeinträchtigt sein.

Für Angehörige kann dies zu einer erheblichen Belastung führen.

Sie müssen unter Umständen auf:

  • Husten
  • Atemgeräusche
  • Beatmungsalarme
  • Sekretansammlungen
  • Absaugbedarf
  • Veränderungen der Atmung

reagieren.

Bei intensivpflegebedürftigen Patienten kann deshalb gerade die Nachtversorgung ein wichtiger Bestandteil einer professionellen häuslichen Versorgung sein.

Sekretstau: Wenn Schleim die Atemwege zunehmend blockiert

Eine der wichtigsten Komplikationen eines unzureichenden Sekretmanagements ist ein Sekretstau.

Dabei sammelt sich Sekret in den Atemwegen an und kann nicht ausreichend entfernt werden.

Bei ausgeprägter Sekretansammlung kann die Belüftung einzelner Lungenabschnitte beeinträchtigt werden.

Besonders kritisch kann die Situation bei Patienten mit einer Trachealkanüle werden, wenn zähes Sekret die Kanüle beziehungsweise den Atemweg zunehmend verlegt.

Was ist ein Schleimpfropf?

Sehr zähes beziehungsweise eingetrocknetes Sekret kann einen sogenannten Sekret- oder Schleimpfropf bilden.

International wird hierfür häufig der Begriff Mucus Plug verwendet.

Ein solcher Pfropf kann einen Atemweg teilweise oder vollständig verlegen.

Das Risiko kann unter anderem bei:

  • sehr zähem Sekret,
  • unzureichender Befeuchtung,
  • eingeschränkter mukoziliärer Clearance,
  • schwacher Hustenkraft,
  • Trachealkanüle,
  • Beatmung und
  • bestimmten pulmonalen beziehungsweise neuromuskulären Erkrankungen

erhöht sein.

Woran erkennt man einen möglichen Sekretstau?

Mögliche Warnzeichen hängen von der individuellen Erkrankung und Versorgungssituation ab.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • plötzlich zunehmende Atemnot
  • ungewöhnlich angestrengte Atmung
  • deutlich hörbare Sekretgeräusche
  • ineffektives Husten
  • Sekret lässt sich trotz Maßnahmen nicht entfernen
  • Abfall der Sauerstoffsättigung
  • auffällige Unruhe oder Angst
  • Veränderung der Hautfarbe
  • auffällige Beatmungsalarme
  • veränderte Beatmungsparameter
  • fehlender oder deutlich verminderter Luftstrom
  • zunehmende Erschöpfung
  • Bewusstseinsveränderungen

Bei tracheotomierten Patienten muss bei einer akuten Verschlechterung immer auch an eine Verlegung oder ein anderes Problem der Trachealkanüle beziehungsweise des Atemweges gedacht werden.

Eine akute Atemwegsverlegung kann lebensbedrohlich sein.

Sekretstau bei Trachealkanüle: Warum ein Notfallplan wichtig ist

Patienten mit Trachealkanüle benötigen einen individuellen Notfallplan für Atemwegsprobleme.

Pflegefachkräfte beziehungsweise entsprechend geschulte Betreuungspersonen müssen wissen, wie bei akuten Veränderungen vorzugehen ist.

Dazu gehört insbesondere das Erkennen möglicher Probleme wie:

  • Kanülenverlegung
  • Sekretpfropf
  • Dislokation der Trachealkanüle
  • akute Atemnot
  • Beatmungsproblem
  • Blutung
  • Aspiration

Welche konkreten Maßnahmen im Notfall erforderlich sind, hängt von der individuellen Atemwegssituation ab.

Deshalb sollten notwendige Materialien und die Vorgehensweise patientenbezogen festgelegt und regelmäßig überprüft werden.

Wann wird Verschleimung zum Notfall?

Nicht jede Sekretansammlung ist ein medizinischer Notfall.

Bestimmte Symptome erfordern jedoch eine schnelle beziehungsweise sofortige medizinische Reaktion.

Akute schwere Atemnot, eine vermutete Atemwegsverlegung, ausgeprägte Zyanose, Bewusstseinsstörungen oder eine massive Blutung sind Notfallsituationen.

In Deutschland gilt bei einem medizinischen Notfall:

112 anrufen.

Weitere Warnzeichen, die je nach Ausprägung eine dringende medizinische Abklärung erforderlich machen können, sind:

  • deutlich zunehmende Atemnot
  • plötzlich erheblich veränderte Atemgeräusche
  • stark zunehmende Sekretmengen
  • Sekret kann trotz etablierter Maßnahmen nicht entfernt werden
  • auffällige Veränderungen der Sauerstoffsättigung
  • neue oder zunehmende Beatmungsprobleme
  • Fieber und deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes
  • Blut im Sekret
  • wiederholte Aspirationen
  • ausgeprägte Erschöpfung durch Husten

Bei Hochrisikopatienten sollte nicht erst auf eine dramatische Verschlechterung gewartet werden.

Gerade Menschen mit stark eingeschränkter Atemreserve können respiratorische Probleme teilweise wesentlich schlechter kompensieren als gesunde Menschen.

Warum professionelles Sekretmanagement Komplikationen verhindern kann

Gutes Sekretmanagement verfolgt nicht nur das kurzfristige Ziel, einen Patienten „von Schleim zu befreien“.

Es geht darum, die Atemwege langfristig möglichst frei zu halten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Dazu gehört beispielsweise:

Sekret beobachten.

Hat sich Farbe, Menge oder Konsistenz verändert?

Hustenkraft beurteilen.

Kann der Patient das Sekret noch selbst entfernen?

Befeuchtung überprüfen.

Ist die Atemluft für die aktuelle Versorgungssituation ausreichend konditioniert?

Mobilisation ermöglichen.

Kann Sekret aus tieferen Bereichen mobilisiert werden?

Husten unterstützen.

Benötigt der Patient assistierte Hustentechniken oder einen Hustenassistenten?

Sekret entfernen.

Ist Absaugen notwendig?

Patienten beobachten.

Wie verändern sich Atmung, Allgemeinzustand und gegebenenfalls Beatmung?

Gerade bei komplex erkrankten Menschen ist Sekretmanagement deshalb kein einzelner Handgriff.

Es ist ein kontinuierlicher pflegerischer und therapeutischer Prozess.

Und genau dieser Unterschied ist bei der Versorgung schwer erkrankter Patienten zuhause entscheidend.

Sekretmanagement im Alltag: Wie sieht eine gute Versorgung zuhause aus?

Ein funktionierendes Sekretmanagement besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme. Gerade bei Menschen mit komplexen neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen muss die Versorgung an den individuellen Zustand angepasst werden.

Ein Patient mit ALS und zunehmender Atemmuskelschwäche benötigt beispielsweise ein anderes Konzept als ein Patient nach einem Schlaganfall mit ausgeprägter Dysphagie und Trachealkanüle.

Grundsätzlich können folgende Bereiche eine Rolle spielen:

  1. Atmung und Allgemeinzustand beobachten
  2. Sekretmenge und Sekretbeschaffenheit beurteilen
  3. ausreichende Atemwegsbefeuchtung sicherstellen
  4. Sekret bei Bedarf mobilisieren
  5. Hustenkraft beurteilen
  6. Husten bei Bedarf unterstützen
  7. Sekret bei entsprechender Indikation absaugen
  8. Trachealkanüle und gegebenenfalls Beatmung überwachen
  9. Wirkung der Maßnahmen kontrollieren
  10. Verschlechterungen frühzeitig erkennen

Bei Patienten mit einem hohen respiratorischen Risiko müssen zusätzlich individuelle Notfallmaßnahmen festgelegt sein.

Sekretmanagement bei ALS zuhause

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gehört zu den Erkrankungen, bei denen ein professionelles Sekret- und Atemwegsmanagement im Verlauf zunehmend wichtig werden kann.

Durch den fortschreitenden Verlust motorischer Nervenzellen wird die Muskulatur zunehmend geschwächt.

Davon kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein.

Für das Sekretmanagement sind insbesondere drei Bereiche relevant:

Schwäche der Einatemmuskulatur

Kann ein Patient nicht mehr ausreichend tief einatmen, steht für den anschließenden Hustenstoß weniger Luftvolumen zur Verfügung.

Schwäche der Ausatemmuskulatur

Die Bauch- und weitere exspiratorische Muskulatur ist wesentlich an einem kräftigen Hustenstoß beteiligt.

Bei zunehmender Muskelschwäche kann der notwendige Luftstrom nicht mehr erreicht werden.

Bulbäre Symptome und Schluckstörungen

Bei manchen ALS-Patienten kommen Schwierigkeiten beim Schlucken und beim Umgang mit Speichel hinzu.

Damit kann sich die respiratorische Situation zusätzlich verkomplizieren.

Das Problem besteht deshalb häufig nicht darin, dass ein ALS-Patient außergewöhnlich große Mengen Bronchialsekret produziert.

Vielmehr kann die Fähigkeit verloren gehen, vorhandenes Sekret effektiv zu mobilisieren und abzuhusten.

Das Sekretmanagement kann dann beispielsweise Atemwegsbefeuchtung, Atemphysiotherapie, geeignete Hustentechniken, mechanische Hustenassistenz und – abhängig von der Atemwegssituation – Absaugmaßnahmen umfassen.

Sekretmanagement nach Schlaganfall

Nach einem schweren Schlaganfall können mehrere Faktoren gleichzeitig zu Sekretproblemen beitragen.

Mögliche Folgen eines Schlaganfalls sind beispielsweise:

  • eingeschränkte Mobilität
  • Bewusstseinsstörungen
  • reduzierte Schutzreflexe
  • Schluckstörungen
  • eingeschränkte Hustenkoordination
  • Muskelschwäche
  • erhöhtes Aspirationsrisiko

Besonders relevant ist die Dysphagie nach Schlaganfall.

Wenn Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel nicht zuverlässig in die Speiseröhre transportiert werden, können Bestandteile in die Atemwege gelangen.

Dadurch können Husten, Sekretprobleme und respiratorische Komplikationen entstehen.

Bei schwer betroffenen Patienten kann deshalb neben dem Sekretmanagement ein professionelles Dysphagie- und Aspirationsmanagement notwendig sein.

Dysphagie, Aspiration und Sekretmanagement

Eine Schluckstörung und Probleme mit Atemwegssekret sollten nicht isoliert voneinander betrachtet werden.

Bei einer Aspiration gelangen beispielsweise:

  • Speichel,
  • Getränke,
  • Nahrung,
  • Sekrete oder
  • Mageninhalt

in die Atemwege.

Normalerweise reagiert der Körper darauf mit einem kräftigen Hustenreflex.

Bei neurologisch schwer erkrankten Patienten kann dieser Schutzmechanismus jedoch eingeschränkt sein.

Besonders problematisch ist die sogenannte stille Aspiration.

Dabei gelangt Material unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege, ohne dass ein deutlicher Hustenstoß ausgelöst wird.

Deshalb bedeutet:

„Der Patient hustet beim Essen nicht“ nicht automatisch, dass keine Aspiration stattfindet.

Bei Verdacht auf eine Dysphagie ist eine professionelle Schluckdiagnostik erforderlich.

Kann Verschleimung eine Lungenentzündung verursachen?

Sekretprobleme können mit einem erhöhten Risiko für respiratorische Komplikationen verbunden sein.

Bleibt Sekret in den Atemwegen zurück, können beispielsweise Bereiche der Lunge schlechter belüftet werden.

Zusätzlich können aspirierte Materialien Krankheitserreger beziehungsweise entzündliche Prozesse begünstigen.

Eine mögliche Komplikation bei Dysphagie ist die Aspirationspneumonie.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Patient mit Verschleimung automatisch eine Lungenentzündung entwickelt.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Grunderkrankung
  • Hustenkraft
  • Schluckfunktion
  • Mobilität
  • Atemfunktion
  • Sekretclearance
  • Mundgesundheit
  • Allgemeinzustand
  • vorhandene Begleiterkrankungen

Gerade bei neurologisch oder neuromuskulär schwer erkrankten Menschen sollten neu auftretendes Fieber, Atemnot, deutliche Sekretveränderungen oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes ärztlich beurteilt werden.

Was tun, wenn der Patient ständig abgesaugt werden muss?

Ein zunehmender Absaugbedarf sollte nicht einfach als neuer Normalzustand hingenommen werden.

Wenn ein Patient plötzlich deutlich häufiger abgesaugt werden muss, sollte nach möglichen Ursachen gesucht werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Atemwegsinfekt
  • veränderte Atemwegsbefeuchtung
  • ungewöhnlich zähes Sekret
  • zunehmende Schluckstörung
  • Aspiration
  • veränderte Speichelproblematik
  • veränderte Hustenkraft
  • eingeschränkte Mobilität
  • Veränderungen der Beatmung
  • Probleme mit der Trachealkanüle

Wichtig ist deshalb nicht nur die Frage:

„Wie oft müssen wir absaugen?“

Sondern vor allem:

„Warum hat sich der Absaugbedarf verändert?“

Eine deutliche Veränderung gegenüber dem individuellen Normalzustand sollte entsprechend medizinisch beziehungsweise pflegerisch beurteilt werden.

Sekretmanagement bei Trachealkanüle zuhause

Menschen mit einer Trachealkanüle benötigen ein besonders strukturiertes Atemwegsmanagement.

Abhängig von der individuellen Situation können unter anderem folgende Aufgaben dazugehören:

  • Beobachtung von Atmung und Atemgeräuschen
  • Kontrolle der Sekretsituation
  • Atemwegsbefeuchtung
  • Inhalation nach ärztlicher Verordnung
  • Sekretmobilisation
  • tracheales Absaugen bei Indikation
  • Kanülenmanagement
  • Stomapflege
  • Cuff-Management
  • Beatmungsüberwachung
  • Aspirationsmanagement
  • Hustenassistenz
  • Notfallmanagement

Dabei ist insbesondere die Kombination der einzelnen Maßnahmen wichtig.

Ein Beispiel:

Bei sehr zähem Sekret reicht es möglicherweise nicht aus, lediglich häufiger abzusaugen.

Es muss auch geprüft werden, warum das Sekret so zäh geworden ist und ob beispielsweise Befeuchtung, Mobilisation oder andere Faktoren angepasst werden müssen.

Cuff-Management und Sekret: Was ist zu beachten?

Bei geblockten Trachealkanülen befindet sich ein sogenannter Cuff im Bereich der Trachea.

Der Cuff kann – je nach Versorgungssituation – beispielsweise zur Abdichtung im Rahmen einer invasiven Beatmung erforderlich sein.

Auch beim Aspirationsmanagement kann die Cuff-Situation relevant sein.

Wichtig ist jedoch:

Ein geblockter Cuff bietet keinen absoluten Schutz vor Aspiration.

Sekret kann sich beispielsweise oberhalb des Cuffs ansammeln. Deshalb müssen Schluckfunktion, Speichelmanagement, Mundpflege, Lagerung und die gesamte Atemwegssituation berücksichtigt werden.

Der Cuffdruck muss innerhalb des individuell beziehungsweise fachlich vorgegebenen Bereichs kontrolliert werden.

Ein zu hoher Druck kann die Trachealschleimhaut schädigen.

Ein unzureichender Cuffdruck kann wiederum zu relevanten Leckagen führen.

Das Cuff-Management gehört deshalb in fachkundige Hände.

Mundpflege gehört ebenfalls zum Sekret- und Aspirationsmanagement

Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.

Bei Patienten mit Dysphagie, Trachealkanüle oder eingeschränkter Selbstpflege ist eine gute Mund- und Zahnhygienebesonders wichtig.

Im Mundraum befinden sich natürlicherweise zahlreiche Mikroorganismen.

Wird bakterienreiches orales Sekret aspiriert, kann dies bei gefährdeten Patienten zur Entstehung respiratorischer Infektionen beitragen.

Eine strukturierte Mundpflege ist deshalb nicht nur eine Frage des Wohlbefindens.

Sie kann ein wichtiger Bestandteil des gesamten Aspirations- und Pneumoniepräventionskonzeptes sein.

Welche Hilfsmittel können für das Sekretmanagement zuhause notwendig sein?

Abhängig von Erkrankung und Versorgungssituation können verschiedene medizinische Hilfsmittel benötigt werden.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Absauggerät
  • Absaugkatheter
  • geschlossenes Absaugsystem
  • Inhalationsgerät
  • Systeme zur Atemwegsbefeuchtung
  • HME beziehungsweise „künstliche Nase“
  • mechanischer Hustenassistent / MI-E
  • Pulsoximeter
  • Beatmungsgerät
  • Zubehör zur Trachealkanülenversorgung
  • Notfallmaterial

Nicht jeder Patient benötigt alle genannten Hilfsmittel.

Die notwendige Ausstattung muss individuell festgelegt und gegebenenfalls ärztlich verordnet werden.

Werden Absauggerät und Hustenassistent von der Krankenkasse bezahlt?

Medizinisch notwendige Hilfsmittel können bei gesetzlich Krankenversicherten grundsätzlich im Rahmen der Hilfsmittelversorgung zulasten der Krankenkasse verordnet werden, wenn die jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Ob ein konkretes Hilfsmittel übernommen wird, hängt von der individuellen medizinischen Indikation und der jeweiligen Versorgungssituation ab.

Das kann beispielsweise betreffen:

  • Absauggeräte
  • Zubehör für Absauggeräte
  • Trachealkanülen und entsprechendes Zubehör
  • Beatmungstechnik
  • Inhalationsgeräte
  • bestimmte Hilfsmittel zur Atemwegsbefeuchtung
  • mechanische Hustenhilfen

Die konkrete Versorgung sollte mit behandelnden Ärzten, Krankenkasse und dem jeweiligen Leistungserbringer abgestimmt werden.

Wann reicht ein normaler ambulanter Pflegedienst nicht mehr aus?

Nicht jeder Patient mit Verschleimung benötigt außerklinische Intensivpflege.

Viele Menschen können mit ärztlicher Behandlung, therapeutischer Begleitung, Hilfsmitteln, Angehörigenunterstützung und gegebenenfalls einem ambulanten Pflegedienst sicher zuhause leben.

Anders kann die Situation aussehen, wenn jederzeit eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann und eine qualifizierte Pflegefachkraft unverzüglich eingreifen können muss.

Das kann beispielsweise bei bestimmten Patienten mit:

  • invasiver Beatmung
  • Trachealkanüle
  • ausgeprägtem Sekretmanagement
  • wiederkehrenden Atemwegsproblemen
  • hohem Absaugbedarf
  • schwerer Husteninsuffizienz
  • komplexen neurologischen Erkrankungen
  • neuromuskulären Erkrankungen
  • hohem Aspirationsrisiko

der Fall sein.

Ob die Voraussetzungen für außerklinische Intensivpflege (AKI) vorliegen, muss jedoch individuell medizinisch beurteilt werden.

Außerklinische Intensivpflege bei starkem Sekretmanagement

Außerklinische Intensivpflege bedeutet nicht einfach „mehr Pflege“.

Sie richtet sich an Menschen mit einem besonders hohen medizinischen und pflegerischen Versorgungsbedarf.

Bei entsprechendem Bedarf können Pflegefachkräfte die respiratorische Versorgung eng begleiten.

Dazu können – abhängig von Verordnung und individuellem Pflegeplan – beispielsweise gehören:

  • Überwachung der Atmung
  • Beatmungsüberwachung
  • Trachealkanülenmanagement
  • Sekretbeobachtung
  • Absaugen bei Indikation
  • Atemwegsbefeuchtung
  • Unterstützung verordneter Inhalationen
  • Unterstützung beim Hustenmanagement
  • Bedienung und Überwachung entsprechender Hilfsmittel
  • Erkennen respiratorischer Veränderungen
  • Notfallmanagement
  • Dokumentation
  • Abstimmung mit Ärzten und Therapeuten

Besonders wichtig ist dabei die kontinuierliche Beobachtung.

Erfahrene Pflegefachkräfte lernen den individuellen Normalzustand eines Patienten kennen.

Dadurch können Veränderungen häufig frühzeitig auffallen.

Sekretmanagement nachts: Entlastung für Angehörige

Gerade die Nacht kann für Angehörige schwer erkrankter Patienten besonders belastend sein.

Viele Angehörige schlafen nur noch oberflächlich, weil sie auf jedes Atemgeräusch achten.

Sie fragen sich:

Ist das nur ein normales Atemgeräusch?

Muss abgesaugt werden?

Ist die Trachealkanüle frei?

Warum alarmiert das Beatmungsgerät?

Bekommt mein Angehöriger genügend Luft?

Muss ich jetzt eingreifen?

Eine solche dauerhafte Alarmbereitschaft kann Familien körperlich und emotional stark beanspruchen.

Wenn die medizinischen Voraussetzungen einer entsprechenden Versorgung erfüllt sind, kann professionelle Pflege insbesondere in der Nacht eine erhebliche Entlastung darstellen.

Angehörige können wieder stärker ihre eigentliche Rolle als Partner, Eltern, Kinder oder Geschwister einnehmen – anstatt rund um die Uhr die Verantwortung für komplexe medizinisch-pflegerische Situationen tragen zu müssen.

Sekretmanagement durch den Pflegedienst Lebenswerk

Bei Pflegedienst Lebenswerk versorgen wir Menschen mit komplexem außerklinischem Pflege- und Intensivpflegebedarf in ihrem häuslichen Umfeld.

Dabei betrachten wir Sekretmanagement nicht als isolierte Einzelmaßnahme.

Für uns gehört dazu die gesamte respiratorische Situation des Menschen.

Abhängig vom individuellen Versorgungsbedarf berücksichtigen wir unter anderem:

  • Atmung
  • Sekret
  • Hustenkraft
  • Trachealkanüle
  • Beatmung
  • Schluckfähigkeit
  • Aspirationsrisiko
  • Mobilität
  • vorhandene Hilfsmittel
  • ärztliche und therapeutische Vorgaben
  • individuelle Warnzeichen und Notfallsituationen

Unser Ziel ist eine Versorgung, die medizinische Sicherheit und ein möglichst selbstbestimmtes Leben zuhause miteinander verbindet.

Denn hinter Trachealkanüle, Beatmungsgerät und Absauggerät steht immer ein Mensch.

Und genau dieser Mensch sollte im Mittelpunkt der Versorgung stehen.

Angehörige beim Sekretmanagement: Sicherheit durch Wissen

Angehörige spielen in der häuslichen Versorgung häufig eine wichtige Rolle.

Gleichzeitig sollten Familien nicht mit komplexen Atemwegssituationen allein gelassen werden.

Wenn Angehörige bestimmte Aufgaben übernehmen sollen oder möchten, benötigen sie eine strukturierte und patientenbezogene Anleitung.

Dazu kann beispielsweise gehören, Veränderungen zu erkennen und zu wissen:

  • Wie sieht der individuelle Normalzustand aus?
  • Welche Sekretmenge ist für den Patienten üblich?
  • Welche Atemgeräusche sind bekannt?
  • Welche Veränderungen müssen gemeldet werden?
  • Wann besteht Absaugbedarf?
  • Wie funktionieren vorhandene Hilfsmittel?
  • Welche Warnzeichen gibt es?
  • Welche Maßnahmen sind im individuellen Notfallplan vorgesehen?
  • Wann muss medizinische Hilfe gerufen werden?

Besonders wichtig:

Angehörige müssen nicht zu „Ersatz-Pflegefachkräften“ werden.

Professionelle Unterstützung kann dabei helfen, Verantwortung sinnvoll zu verteilen und die Familie langfristig

zu entlasten.

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FAQ – häufige Fragen zum Sekretmanagement zuhause

Was hilft gegen starke Verschleimung?

Das hängt von der Ursache ab. Möglich sind beispielsweise eine angepasste Atemwegsbefeuchtung, Inhalationen nach Verordnung, Mobilisation, Atemphysiotherapie, Hustentechniken, mechanische Hustenassistenz oder Absaugen. Entscheidend ist, weshalb das Sekret nicht ausreichend entfernt werden kann.

Was tun, wenn Schleim nicht abgehustet werden kann?

Kann Sekret nicht effektiv abgehustet werden, sollte die Hustenkraft beurteilt werden. Bei ausgeprägter Husteninsuffizienz können assistierte Hustentechniken oder eine mechanische Hustenhilfe erforderlich sein. Bei entsprechenden Atemwegen kann zusätzlich Absaugen notwendig werden.

Was ist ein Cough Assist?

Ein Cough Assist beziehungsweise Hustenassistent ist ein Gerät zur mechanischen Insufflation-Exsufflation. Es unterstützt zunächst die Einatmung und erzeugt anschließend durch einen schnellen Druckwechsel einen stärkeren exspiratorischen Luftstrom.

Für wen eignet sich ein Hustenassistent?

Mechanische Hustenhilfen werden insbesondere bei bestimmten Patienten mit eingeschränkter Hustenkraft eingesetzt, beispielsweise bei neuromuskulären Erkrankungen. Die Indikation und Einstellung müssen individuell erfolgen.

Warum haben ALS-Patienten Probleme beim Abhusten?

Bei ALS kann die Atemmuskulatur zunehmend geschwächt werden. Dadurch können sowohl die tiefe Einatmung als auch der kräftige Hustenstoß beeinträchtigt sein.

Muss bei einer Trachealkanüle regelmäßig abgesaugt werden?

Nicht zwangsläufig. Das Absaugen sollte sich am individuellen Bedarf und an der entsprechenden Indikation orientieren. Starres Absaugen allein nach Uhrzeit ist nicht für jeden Patienten sinnvoll.

Wie erkennt man, dass ein Patient abgesaugt werden muss?

Hinweise können unter anderem hörbares oder sichtbares Sekret, ineffektiver Husten, zunehmende Atemarbeit, bestimmte Beatmungsalarme oder patientenspezifische Veränderungen sein. Die Gesamtbeurteilung ist entscheidend.

Was bedeutet gelbes oder grünes Sekret?

Eine gelbe oder grüne Farbe allein beweist keine bakterielle Infektion. Weitere Symptome wie Fieber, zunehmende Atemnot oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes müssen berücksichtigt werden.

Ist blutiges Sekret gefährlich?

Kleine Blutspuren können beispielsweise durch Schleimhautreizungen entstehen. Wiederkehrende, zunehmende oder stärkere Blutungen sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden. Starke Blutungen in Verbindung mit Atemproblemen sind ein medizinischer Notfall.

Warum wird Sekret bei einer Trachealkanüle zäh?

Da die eingeatmete Luft nicht mehr vollständig über Nase und obere Atemwege geführt wird, fehlen teilweise deren natürliche Erwärmungs-, Filter- und Befeuchtungsfunktionen. Eine geeignete Atemwegsbefeuchtung ist deshalb besonders wichtig.

Was ist ein HME?

HME steht für Heat and Moisture Exchanger. Das Hilfsmittel wird auch „künstliche Nase“ genannt und speichert einen Teil der Wärme und Feuchtigkeit der Ausatemluft, um sie bei der nächsten Einatmung wieder abzugeben.

Hilft Inhalieren gegen zähen Schleim?

Inhalationen können Bestandteil des Sekretmanagements sein. Welche Lösung oder welches Medikament geeignet ist, hängt von der individuellen Erkrankung und ärztlichen Verordnung ab.

Was ist ein Sekretstau?

Bei einem Sekretstau sammelt sich Atemwegssekret an, das nicht ausreichend mobilisiert und entfernt werden kann. Dadurch kann die Atmung beeinträchtigt werden.

Was ist ein Mucus Plug?

Ein Mucus Plug ist ein zäher Sekret- beziehungsweise Schleimpfropf, der einen Atemweg teilweise oder vollständig verlegen kann. Bei einer akuten Atemwegsverlegung kann eine lebensbedrohliche Situation entstehen.

Kann eine Trachealkanüle durch Schleim verstopfen?

Ja. Zähes beziehungsweise eingetrocknetes Sekret kann die Durchgängigkeit einer Trachealkanüle beeinträchtigen. Eine akute Kanülenverlegung kann einen medizinischen Notfall darstellen.

Wann ist starke Verschleimung ein Notfall?

Akute schwere Atemnot, Zyanose, Bewusstseinsstörungen, eine vermutete Atemwegsverlegung oder eine massive Blutung sind Notfallsituationen. In Deutschland sollte dann der Notruf 112 verständigt werden.

Kann eine Schluckstörung Verschleimung verursachen?

Eine Dysphagie kann dazu führen, dass Speichel, Getränke oder Nahrung in die Atemwege gelangen. Dies kann Husten und respiratorische Probleme verursachen und das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Was ist stille Aspiration?

Bei einer stillen Aspiration gelangt Material in die Atemwege, ohne dass ein deutlicher Hustenreflex ausgelöst wird. Sie kann deshalb ohne professionelle Diagnostik schwer erkennbar sein.

Kann man mit Trachealkanüle zuhause leben?

Ja. Viele tracheotomierte Menschen können bei geeigneten Voraussetzungen und einer entsprechend organisierten medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Versorgung zuhause leben.

Wann ist außerklinische Intensivpflege beim Sekretmanagement notwendig?

Nicht die Verschleimung allein entscheidet darüber. Relevant ist insbesondere, ob aufgrund der Erkrankung jederzeit eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann, die eine sofortige pflegerische Intervention erfordert. Die Voraussetzungen müssen individuell medizinisch beurteilt werden.

Ein gutes Sekretmanagement kann für ein sicheres Leben zuhause entscheidend sein

Starke Verschleimung ist bei schwer erkrankten Menschen häufig mehr als ein unangenehmes Begleitsymptom.

Besonders bei Trachealkanüle, Beatmung, ALS, neuromuskulären Erkrankungen, Schlaganfall, Querschnittlähmung oder Dysphagie kann die Fähigkeit, Sekret zuverlässig aus den Atemwegen zu entfernen, erheblich eingeschränkt sein.

Professionelles Sekretmanagement setzt deshalb an mehreren Punkten an:

Sekret verstehen. Sekret mobilisieren. Husten ermöglichen. Sekret entfernen. Atmung überwachen. Veränderungen frühzeitig erkennen.

Atemwegsbefeuchtung, Atemphysiotherapie, assistierte Hustentechniken, Hustenassistenten und tracheales Absaugen sind dabei keine konkurrierenden Maßnahmen. Sie können – wenn medizinisch angezeigt – unterschiedliche Bestandteile eines individuell abgestimmten Gesamtkonzeptes sein.

Für Patienten und Angehörige ist vor allem eines wichtig:

Komplexe Atemwegsprobleme müssen zuhause nicht allein bewältigt werden.

Wenn aufgrund einer schweren Erkrankung, einer Trachealkanüle oder Beatmung ein besonders hoher Überwachungs- und Interventionsbedarf besteht, kann eine professionelle außerklinische Intensivpflege dazu beitragen, eine sichere Versorgung im vertrauten häuslichen Umfeld zu ermöglichen.

Unser Pflegedienst Lebenswerk begleitet intensivpflegebedürftige Menschen und ihre Familien mit dem Ziel, medizinische Sicherheit, professionelle Pflege und möglichst viel Lebensqualität miteinander zu verbinden.

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